Neurowissenschaftliche Gesellschaft trick Neurowissenschaftliche Gesellschaft
Neurowissenschaftliche Gesellschaft Neurowissenschaftliche Gesellschaft Neurowissenschaftliche Gesellschaft
trick

Zusammenfassung 1

Ultraschallkommunikation bei Nagern und ihre Bedeutung für Modelle neuropsychiatrischer Erkrankungen

Markus Wöhr und Rainer K.W. Schwarting

Zusammenfassung
Mäuse und Ratten verfügen über die Fähigkeit, Rufe im Ultraschallbereich auszusen- den und zu detektieren (sogenannte Ultraschallvokalisationen, USV). Dabei können in Abhängigkeit von Entwicklungsniveau, affektivem Zustand und sozialem Kontext verschiedene USV-Klassen mit distinkten Schallmerkmalen unterschieden werden. So senden Mäuse und Ratten während der ersten Lebenstage, wenn sie von Mutter und Nest getrennt sind, isolationsinduzierte USV aus, die maternales Such- und Eintrageverhalten induzieren. Diese Rufe werden in der Angstforschung als frühes Maß angstähnlichen Verhaltens herangezogen. Adulte Ratten emittieren in tatsächlichen oder potenziellen Gefahrensituationen, wie Konfrontation mit einem Fressfeind, furchtinduzierte USV, welche für Artgenossen eine Alarmfunktion besitzen. Auch diese Rufe werden in der Angstforschung verwendet. Eine dritte Klasse von Rufen tritt bei juvenilen und adulten Mäusen und Ratten in vermutlich positiv affektiven (sogenannten appetitiven) Situati- onen auf, etwa während des sozialen Spiels oder des Erkundens von Artgenossen. Auch können diese Rufe durch potenziell süchtig machende Substanzen induziert werden, weshalb sie in der Sucht- und Depressionsforschung eingesetzt werden. Bedeutsamer- weise haben diese Rufe eine affiliative kommunikative Funktion, denn sie induzieren soziales Annäherungsverhalten beim Empfänger. Dieser kommunikative Aspekt hat dazu geführt, dass die interaktionsinduzierten USV als Maß für Defizite in Sozialverhalten und Kommunikation eingesetzt werden. Sie finden daher zunehmend Anwendung bei Tiermodellen für tief greifende Entwicklungsstörungen, insbesondere Autismus.

Keywords: behavioural neuroscience; behavioural phenotyping; communication; emotion; social behaviour

bottombarleft bottombarsize bottombarright