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Nf02_2016 - Krach, Sören

Abb. 1 Exkurs 2 Die Technik der sozialen Immersion Um ein „authentisches“ Erleben sozialer Emotionen wie Peinlichkeit, Neid oder Schuld untersuchbar zu machen, muss sichergestellt werden, dass die Versuchspersonen nicht über das eigentliche Ziel der Untersuchung informiert sind. Hierzu müssen die Versuchspersonen in eine soziale Situation „eingetaucht“ werden (im Englischen „to immerse“, deshalb spricht man im Deutschen auch von Immersion) und das eigentliche Ziel der Untersuchung muss mithilfe einer vorgeschobenen Geschichte, einer sogenannten Cover-Story, verdeckt werden. Das folgende Experiment illustriert das Vorgehen am Beispiel einer Untersuchung der neuralen Grundlagen von Peinlichkeit und Stolz: Zunächst muss eine soziale Interaktionssituation geschaffen werden. Hierzu wird die Versuchsperson zusammen mit zuvor eingeweihten Personen (sogenannten Konföderierten) zu einem Experiment zum kognitiven Schätzen eingeladen (Abbildung A links oben). Die Versuchsperson glaubt, dass alle eingeladenen Personen ebenso gleichberechtigt an dem Versuch teilnehmen. Nach einer moderierten Kennenlernphase werden verschiedene Fragebögen zur Persönlichkeit sowie momentanem Erleben und Befinden von allen Versuchsteilnehmern und Versuchsteilnehmerinnen ausgefüllt. Um die Versuchsperson für die Messung der Hirnaktivierung beim „Schätzen“ im Kernspintomografen unauffällig auszuwählen, wird ein fingierter IQ-Test durchgeführt. Nach einer kurzen Auswertung des Tests wird dann bekannt gegeben, dass die tatsächliche Versuchsperson am besten abgeschnitten habe und damit ausgewählt wurde, den folgenden Teil der Untersuchung im Kernspintomografen durchzuführen (Abbildung A rechts oben). Bevor dann die eigentliche Messung beginnt, wird die Schätzaufgabe im Vorbereitungsraum gemeinsam eingeübt und das Prinzip der Aufgabe erklärt. Jeder Schätzphase (z.B. Schätzung des Gewichts einer Fliege oder der Anzahl von Streichhölzern in einer Schachtel) folgt eine Feedback-Phase, in der der Versuchsperson ihr Abschneiden im Vergleich zu einer Referenzgruppe rückgemeldet wird (Abbildung B zeigt den Ablauf eines Trials und die Spalten in Abbildung C illustrieren die drei Stufen der zurückgemeldeten Leistung in Faktor 1). Zudem wird in der Feedback-Phase ersichtlich, ob die anderen Versuchsteilnehmer und Versuchsteilnehmerinnen über das Abschneiden der Versuchsperson im Kernspintomografen informiert werden oder nicht (die Zeilen in Abbildung C stellen die beiden Stufen des zweiten Faktors, den der Öffentlichkeit, dar). Damit handelt es sich um ein klassisches experimentelles Versuchsdesign, bei der ein öffentliches Scheitern Peinlichkeit einerseits und eine Erfolgsrückmeldung andererseits Stolz auslösen sollte. Während aus Sicht der Versuchsperson im Kernspintomografen das gesamte Experiment scheinbar weiterläuft, wird tatsächlich ein vorher definiertes Programm ausgeführt und die Konföderierten außerhalb des Kernspintomografen können sich entspannen (Abbildung A links unten). Nach Abschluss der Messung wird die ursprüngliche Situation wie vor der Messung wieder hergestellt und die Versuchsperson wird zusammen mit den Konföderierten wieder auf ihre Plätze geführt. Somit wird die Versuchsperson noch immer in dem Glauben gelassen, dass tatsächlich alle Beteiligten gleichberechtigte Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Experiments waren. Die Versuchsperson wird anschließend in einem separaten Raum ausführlich über ihr Erleben während der Untersuchung befragt und schließlich über die Untersuchung und die Rolle der anderen Personen aufgeklärt (Abb. 1a, rechts unten).

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